
Das ist eine Serie mit argen Startschwierigkeiten.
Es ist ja bekannt, daß hinter dieser Serie Leute stecken (z.B. David Eick), die mit “Battlestar Galactica” eine alte, ziemlich lächerliche Serie derart modernisiert haben, daß Kritiker und Zuschauer gleichermaßen begeistert waren. Nun erwartet man ja eigentlich einen weiteren Geniestreich – doch der bleibt aus. Zwar ist diese Serie nicht so hundsmiserabel schlecht wie “Painkiller Jane” (bereits abgesetzt), kommt aber auch meilenweit nicht an “Alias” heran, eine Serie, die man vermutlich als Vorbild genommen hat, denn die Ähnlichkeiten (auch der Hauptdarstellerinnen) sind nicht zu übersehen.
Interessant ist, daß das Problem hausgemacht zu sein scheint. Zwischen der Produktion der Pilotepisode und der eigentlichen Serie ist einer der verantwortlichen Produzenten und Showrunners (Glen Morgan [„The X-Files“, „Space: Above and Beyond“, „Millennium“)“ wegen “kreativer Differenzen” gegangen. Im September hat sich Jason Katims („Roswell“) der Show als „Consultant“ gekümmert, um sich im Oktober wieder zu verabschieden; seine Aufgabe übernahm Jason Cahill, der bis dahin Drehbuchautor war, und lediglich eine einzige Episode der wenig erfolgreichen Serie „Surface“ (1-12) produziert hatte. Zusammen mit Glen Morgen verließ auch Executive Producer und Autor des Piloten, Laeta Kalogridis, die Serie.
Mich interessieren Geschehnisse hinter den Kulissen hauptsächlich dann, wenn ein Qualitätsverlust zu bemerken ist, wie es in der letzten Season von „Alias“ war. Aber manchmal ist es angebracht, die Hintergründe zu erläutern.
Nach dem Abgang von Glen Morgan wurde das Konzept überarbeitet, die Darstellerin der Schwester wurde ausgetauscht, zudem ist die Schwester nun nicht mehr taub, sondern eine Art Hacker. Die Rolle des Verlobten wurde für den Neuzugang Isaiah Washington ganz herausgeschrieben, allerdings recht plump: Am Ende des Piloten kommt er mit einer Schußverletzung in einen Krankenwagen, und weil nichts weiter dazu gesagt wird, geht man davon, daß er überleben wird. Die zweite Episode beginnt mit seinem Begräbnis. Das ist zwar effektiv, wenn man Zeit sparen will, aber doch ein wenig verwirrend.
Weiterhin gab es zusätzliche Verhandlungen mit Katee Sackhoff, so daß sie nun öfter zu sehen sein wird, als ursprünglich geplant. Es dürfte den Produzenten aufgefallen sein, daß sie nicht nur eine charismatischere Schauspielerin ist, sondern die von ihr dargestellte Sarah Corvus der interessantere Charakter.
Das größte Problem für mich, ist zur Zeit, daß ich der Serie einfach nicht glaube. Die Szenen im Hauptquartier dieses Geheimdienstes fühlen sich zu künstlich an, die Art, wie Jamie dort behandelt wird und selbst andere behandelt, würde eher darauf schließen lassen, daß man sich schon länger kennt, die Stimmungsschwankungen und Meinungsänderungen kommen und gehen bei Jamie, als habe man komplette Szenen verpaßt.
Jamies Verlobter wird ermordet, aber man sieht sie nie wirklich traurig oder verzweifelt, ein bißchen traurig, ja, ganz so, als sei ihr Wellensittich von der Stange gefallen, aber das ist einfach zu wenig, um ernst genommen zu werden. Als Sydney in „Alias“ herausfand, daß Sloane für den Mord an ihrem Verlobten verantwortlich war, hatten die Autoren und Jennifer Garner offenbar wirklich Spaß an ihrer Arbeit, haben richtig mitreißende Szenen geschaffen, da wurden Emotionen bei den Zuschauern erzeugt. Hier ist nichts davon zu bemerken. Daß sie bei dem Unfall auch ihr ungeborenes Baby verloren hat, muß sie wohl schnell vergessen haben, oder ihr ist das nicht so wichtig … Auch Actionszenen retten nichts, wenn das Material zwischen ihnen unglaubwürdig und lahm erscheint.
Eine zweitklassige Alias-Kopie braucht man nicht.
Note: 3-