Gerade gesehen

Filme und Serien kurz kommentiert

  • Spoilers inside!

    Es ist fast unmöglich über einen Film zu schreiben, ohne Informationen über den Inhalt preiszugeben, und ob eine Information bereits ein Spoiler ist oder nicht, wird manchmal sehr unterschiedlich empfunden. Hier wimmelt es auf jeden Fall von Spoilern, also Vorsicht, ich möchte niemandem den Spaß verderben.
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Nach langer Zeit erneut gesehen

The Avengers, 5-12, „The Superlative Seven“

Verfasst von Tom am 10 Dezember 2006

Drehbuch: Brian Clemens
Regie: Sidney Hayers

[Ergänzung vom 09.03.2007: In der neuen TV-Spielfilm (06/07) wird bestätigt, was ich hier vermutet habe, die ersten drei Staffeln sind nie im deutschen Fernsehen gezeigt worden.]

Kindheitserinnerungen sind tückisch. Zum einen verfälschen sich die meisten Erinnerungen im Laufe der Zeit wie ein Foto, dessen Farben langsam verbleichen, zum anderen wurden diese Engramme angelegt, als wir noch ganz anders getickt haben, als wir noch viel simplere und erfahrungsärmere Geschöpfe waren. Aus der heutigen Sicht beurteilen wir sie daher manchmal anders, als sie es verdient haben.

All das ist sowas von wahr für Filme und Serien. Kann nicht jeder heute den Kopf darüber schütteln, was wir damals toll fanden, welche Filme wir wieder und wieder gesehen, welche Serien uns viele Stunden unseres Lebens gekostet haben? Allein schon „Dallas“! *schauder*

Wenn ich an „Mit Schirm, Charme und Melone“ (im Original „The Avengers“) gedacht habe, dann kamen mir stets Patrick Macnee als John Steed und Diana Rigg als Emma Peel in den Sinn. Wem geht es nicht ähnlich? Tatsächlich ist es aber so, daß diese Serie 6 Seasons hatte, und Diana Rigg nur in den Seasons 4 und 5 dabei war. Sowohl vorher gab es eine andere Hauptdarstellerin als auch nach ihr. Warum hat sie damals so einen Eindruck hinterlassen? Waren dies die einzigen Episoden, die im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurden? (Gar nicht so abwegig.)

Um zu testen, wie ich diese Serie heute finde, wollte ich mir eine Episode ansehen, natürlich aus den Seasons 4 oder 5, und ich habe mich für die einzige entschieden, an deren Handlung ich mich heute noch ein wenig erinnern kann. Hier erlebte ich meine ersten beiden Überraschungen: Es sind in dieser Episode zwei bekannte Nebendarsteller zu sehen, Donald Sutherland und Charlotte Rampling. Und die beiden waren tatsächlich einmal jung!

Ich las in der Vorbereitung ein Detail, das ich interessant fand: Patrick Macnee wollte in der ersten Episode der Serie keine Schußwaffe in die Hand nehmen, weil er so viele seiner Kameraden im Krieg fallen gesehen hatte; nie wieder wollte er eine Waffe in die Hand nehmen, daher kam man auf die Idee mit dem Schirm, in dem ein Schwert versteckt ist. Der Mann hat immerhin Prinzipien.

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Aber ich greife vor. Die Episode beginnt mit dem Anfang, dem Vorspann, und so logisch das auch klingt, ich bin das heute schon fast nicht mehr gewöhnt, ich habe wohl zu viele amerikanische Serien gesehen. Bei „Alias“ kam der Vorspann mal nach 15 Minuten, da hatte ich schon gar nicht mehr mit ihm gerechnet. Aber besser spät als nie, richtig? Ach ja, bei „Alias“ kam der Vorspann manchmal auch gar nicht. Egal.

Normalerweise beschreibe ich in meinen Kommentaren nie die genaue Handlung, sondern fasse nur einiges zusammen und äußere mich dazu, aber hier gehe ich mal einen anderen Weg, denn die Handlung ist ein Kommentar an sich und eine Kritik ihrer selbst.

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Aufgeblendet wird in einem komplett orangenen Gang, ich meine wirklich komplett orangenfarben, denn das neuerfundene Farbfernsehen muß sich ja lohnen. Zwei Schurkengestalten kommen hindurch und treffen auf den jungen Sutherland, der seine Überkämpfer in schwarzer Unterwäsche und weißen Schühchen vorführt. Was folgt ist ein übelst inszenierter Kampf nach dem Motto „Bloß nicht wehtun“, wie ich es noch nie gesehen habe. Stuntmen gab’s entweder noch nicht, oder sie waren zu teuer, daher diese Posse. Dann folgt eine ähnliche Posse mit Samuraischwertern, und der einen Schurkengestalt wird der Bauch aufgeschlitzt, oder so soll es wohl sein, aber die Bewegung ist zu vorsichtig, wird kaum angedeutet, und die Abwesenheit von Filmblut ist auch erstaunlich nach einer solchen Tat, immerhin sind wir ja im Farbfernsehen.

Die verbliebene Schurkengestalt will von Sutherland, der seine Finger knacken läßt, „one final Test“, Sutherland grinst, beide gehen ins Off, der Titel der Episode wird eingeblendet, dann die geistreiche Inhaltsangabe „STEED FLIES TO NOWHERE“ und „EMMA DOES HER PARTY PIECE“, während die Kamera sich rückwärts durch den orangenen Gang bewegt, und wir ahnen, Steed und Peel werden Teil des Tests sein.

Aber soweit sind wir noch nicht, noch lange nicht, wie sich zeigen wird.

Jetzt wirds lustig. Die ersten und letzten Steed-und-Peel-Szenen waren doch immer lustig, oder? Los geht’s. Steed spaziert durch einen Wald mit Heu auf dem Boden und trägt ein Gewehr in der Hand. Er ist offenbar auf der Jagd und hat noch offenbarer seine toten Kameraden vergessen. Einige Vögel, die wie weiße Tauben aussehen, fliegen auf, Steed ziehlt, schießt und verfehlt, die weißen Tauben fliegen weiter. Dennoch scheint er etwas fallen zu sehen, halb springt, halb läuft er durch das Waldheu, das den Studioboden bedeckt, und hebt etwas auf, das er wohl doch getroffen zu haben scheint: eine knallgelbe Plastikente, denn wir sind ja im Farbfernsehen, auf deren Brust „Steed“ geschrieben steht. An dieser Stelle haben vor 40 Jahren ein paar Briten vor Lachen ihren Tee verschüttet.

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Die Büsche zu seiner Rechten teilen sich, Emma hockt dahinter, quakt und sagt „You’re needed!“ Dann verschwindet sie wieder hinter den Büschen und die lustige Szene ist vorbei.

Noch keine 5 Minuten der Episode sind um und ich bin schon bei ca. 5000 Anschlägen; ich muß mich kürzer fassen.

Emma ist in einem knappgelben Mantel bei Steed, liest eine Einladung vor, während er in einem Admiralskostüm ganz vorsichtig eine wackelige Wendeltreppe hinunterkommt, die der Setdesigner hinter den Kulissen mit Angstschweiß auf der Stirn so gut festhält, wie nur möglich. Es wird nebenbei erwähnt, daß es sieben tote Athleten gab, Gewichtheber und Wrestler, aber Steed will dennoch auf die Kostümparty, die „irgendwo über Südengland“ stattfinden soll. Schnitt! auf den Flughafen, Steed steigt in ein Flugzeug, das von außen wesentlich kleiner zu sein scheint, als es in wenigen Sekunden von innen ist.

Aus Gründen der Ökonomie fasse ich jetzt noch mehr zusammen. Steed trifft auf sechs weitere kostümierte Leute, deren Namen in dieser Episode belanglos sind, daher nenne ich sie Pickelhaube, Cowgirl, Janus (trägt am Hinterkopf eine Maske seines Gesichts), Stierkämpfer, Herkules und Henker. Henker kommt als letztes und ist sofort verdächtig.

Herkules klimpert auf dem Klavier, das Flugzeug hebt ab, man findet heraus, daß auf allen Einladungen ein anderer Gastgeber genannt ist, daß sie alle, in dem was sie tun, besonders gut sind, und daß das Flugzeug ferngesteuert wird. Dabei wirkt der Blick in das leere Cockpit und durch die Frontscheiben so, als sei die Motorhaube eines PKW’s hochgeklappt. Ich konnte nicht eruieren, was das bedeutet.

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Ich muß noch mal darauf zurückkommen, worin diese Leute so gut sind, das kribbelt mir in den Fingern, das muß raus. Pickelhaube ist ein „expert soldsman“, Stierkämpfer ist ein Stierkämpfer, Henker ist Nahkampfexperte, Janus ein „big game hunter“, Herkules ein „professional strongman“ :-) , Cowgirl kann gut schießen, Steed will’s nicht sagen und faselt daher was von „wie ich meinen Schirm halte“, schon begibt sich das Flugzeug in einen Sturzflug, um auf einer Insel zu landen, und die Darsteller nehmen merkwürdige Körperhaltungen ein, um dies darzustellen. Nur Henker bleibt cool, was ihn noch verdächtiger macht.

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Die Angst in den Gesichtern wenige Sekunden vor dem Touchdown spiegelt die darstellerischen Qualitäten wider: Steed ist besorgt, wie es sich gehört, aber Herkules hat Verstopfung und Janus sitzt offenbar auf Pickelhaubes Pickelhaube. Meine Güte, die beiden letzten müssen sie wirklich auf dem Rummel gecastet haben.

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Durch diese quälend lange Exposition sind bereits 20 Minuten vorbei.

Sie steigen aus dem zu kleinen Flugzeug, und gehen in einen Wald mit Heu auf dem Boden. Sie sehen ein Haus mit einer brennenden Lampe davor, und Cowgirl sagt aus unerfindlichen Gründen „It looks deserted!“, doch Steed weist sie auf die kleine, brennende Kerze in der Lampe hin. Im Inneren finden sie Laub auf dem Boden und einen langen Tisch mit diversen Waffen drauf, jeweils sieben an der Zahl, für jeden eine Art Überlebensset. Man erwartet, daß Eddie Arendt jeden Moment um die Ecke kommt, aber das ist eine andere Serie.

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Hinter einem Vorhang finden sie sechs offene Särge, und die Musik macht dum-dum-dum, weil’s jetzt spannend ist. Schurkengestalt und Sutherland, den ich von jetzt an McDonald nenne, weil er aus Neuschottland kommt, haben die ganze Zeit zugesehen, und nun erklärt ersterer die Spielregeln. Er will, daß nur einer von den sieben Jecken überlebt (daher sechs Särge), und daß der Mörder einer von ihnen ist. Das Laub raschelt unentwegt, weil keiner die Türen geschlossen hat, und der Tontechniker beißt von jetzt an auf Holz. Cowgirl findet in einer Ritterrüstung die erste Schurkengestalt, die tote, und diese fällt blechern hin und wird in dieser Episode nicht wieder zu sehen sein. Der „continuity clerk“, dessen Job später einmal „script supervisor“ heißen wird, war nicht ganz bei der Sache.

Obwohl man ihnen gesagt hat, daß der Mörder einer von ihnen ist, zieht man nun los in die Dunkelheit der Nacht, genauer, in den wohlbeleuchteten Wald, und Stierkämpfer sticht das Schwert in jeden Busch, die anderen schleichen herum, höchst angespannt, nur Steed bleibt zurück und schaut sich im Haus um. Herkules steht plötzlich zwischen verwitterten Säulen, die in dieser Episode keine besondere Bedeutung haben, die subjektive Kamera nähert sich ihm, er dreht sich um, sieht den Täter, macht ein bescheuertes Gesicht, was Entschlossenheit ausdrücken soll, und würgt die Kamera. Schnitt! auf Steed, der den Schrei von Herkules hört.

Er läuft in den wohlbeleuchteten Wald, und auch andere haben den Schrei gehört, wie Cowgirl, die fast Henker erschießt („reflex action“) , Janus und Pickelhaube sind sogar schon bei den Säulen, dort trifft man sich, und auch Steed kommt hinzu. Sie bedrohen sich kurz gegenseitig mit ihren Waffen, dann trennen sie sich wieder und suchen allein.

Cowgirl geht zurück zum Haus, wo das Laub auf dem Boden raschelt, sieht etwas und Schnitt! auf Steed, der diesmal drei Schüsse hört. Das war mehr als „reflex action“! Steed eilt in Richtung Haus, gefühlte drei Meter weit, dann kommt Henker an ihm vorbei. Gemeinsam treffen sie im Haus auf Cowgirl, und sie zeigt ihnen und den beiden ebenfalls ankommenden Janus und Pickelhaube den Grund ihrer Aufregung: der „professional strongman“ liegt mit gebrochenem Rücken und irgendwie tot in einem der Särge. Auf wen oder was Cowgirl denn nun geschossen hat, bleibt so offen wie der Sarg.

Schurkengestalt und McDonald freuen sich.

Nun beginnt die Phase, in der Henker Steed verdächtigt, was Henker verdächtig erscheinen läßt. Plötzlich und unerwartet wird ihnen klar, daß jemand fehlt, und zwar Stierkämpfer. Schnitt! auf ihn, wie er in dem wohlbeleuchteten Wald herumtrödelt, als er einen kleinen, ansteigenden Weg erblickt, an dessem höchstem Punkt eine Kutsche ohne Gespann und Dach herumsteht. Und jetzt, geneigter Leser, wird die „suspension of disbelief“ (sowas wie „Unterdrückung des Unglaubens“) hart auf die Probe gestellt, denn einerseits möchte man der Episode ja glauben, andererseits hat jeder Glaube seine Grenzen. Was sich der Drehbuchautor sich hier Feines ausgedacht hat, ist folgendes: Die Kutsche beginnt zu rollen, Stierkämpfer sieht das, die Kutsche wird schneller und kommt eindeutig auf ihn zu, Stierkämpfer tut das, was er halt kann, er stellt sich in Positur, Lappen und Schwert bereit, und läßt die Kutsche auf sich zukommen, ja, die Kutsche, er grinst blöde und wird aus der Kutsche heraus von einem Speer getroffen. Er taumelt eine Weile schreiend rückwärts, dann Schnitt! eilt auch schon Steed herbei. Die Kutsche ist umgekippt, vom Torero keine Spur.

Nun muß man nicht Stierkämpfer so dolle schelten, weil er halt das getan hat, was er nunmal kann. Klar, er hätte auch in den Wald ausweichen können, aber wäre das nicht feige gewesen? Viel interessanter finde ich, daß überhaupt einer von McDonalds (ja, hier ohne Apostroph) Leuten auf die Idee gekommen ist, jemanden auf diese Weise zu töten. Wie außergewöhnlich, wie unerwartet, wie einfallsreich und wie … unglaubwürdig. Henker und Cowgirl kommen hinzu, der Speer stellt sich als zweizinkige Heugabel ohne Blut heraus, und schon eilt man wieder von dannen, um sich vermutlich in wenigen Sekunden nach einem weiteren Schrei in drei Metern Entfernung erneut zu treffen.

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Pickelhaube benutzt sein Schwert als Machete, was wiederum der aufmerksame Steed hört, er geht drei Meter weit ohne zu sehen, daß in zwei Metern Abstand Janus steht. Doch dieser macht ein Knackgeräusch, und schon bemerkt Steed ihn. Währenddessen wird Pickelhaubes Schatten an einer Felswand von einem anderen Schatten erstochen. Steed eilt herbei, Cowgirl und Henker folgen sofort, sie finden Pickelhaubes Leiche, Henker verdächtigt erneut Steed, und ebenfalls erneut macht man sich auf den Weg zum Haus. Nicht erst hier, wirklich nicht erst jetzt fragt man sich, was dieses Herumgelaufe im Wald eigentlich soll. Pflichtgemäß haben McDonalds Lakaien die Leiche von Stierkämpfer in den zweiten Sarg gelegt, und vermutlich machen sie sich gerade an die Arbeit, um das gleiche auch mit Pickelhaube zu machen, nur daß dies keiner sieht, weil man ja wieder ins Haus gegangen ist. Steed nimmt’s weniger locker als gedacht und gießt sich erstmal einen hinter die Binde.

Es wird abgeblendet und wieder aufgeblendet, Henker geht im Laub auf und ab, verdächtigt Steed, ein unheimlicher Vogel schreit, gleich zweimal, Henkers Nerven halten das nicht länger durch, er richtet die Waffe auf Steed und kommt, sage und schreibe 35 Minuten nach Beginn der Episode, auf die Idee, zusammenzubleiben, nicht wieder getrennt in den Wald zu gehen, aber ja, sie gehen wieder in den wohlbeleuchteten Wald, offenbar auf der Suche nach dem Vogel, der erneut schreit und kaum im Wald mit dem Heu auf dem Boden angekommen, schießt Cowgirl doppelt auf irgendwas Unsichtbares, das sie gesehen hat.

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Ihrer Körperhaltung nach zu urteilen, muß es in ziemlicher Höhe gesessen haben; vermutlich war es tatsächlich der Vogel. Henker will wissen, ob sie wirklich etwas gesehen hat, absolut, sagt sie, und daraufhin fällt Henker die Entscheidung, daß sie getrennt weitersuchen sollen. Diverse Zuschauer schlagen auf Wohnzimmerkissen ein, werfen die Fernbedienung gegen das Gerät oder stöhnen einfach nur lange und laut.

Schurkengestalt und McDonald unterhalten sich über den Erfolg des Tests, und McDonald nennt seine Kämpfer „Super Beings“, was allerdings daran, was da bisher so auf der Insel gelaufen ist, super sein soll, fragte sich der Zuschauer, der gerade die Reste seiner Fernbedienung aufsammelt. Bevor Schurkengestalt McDonalds Traum von einer Super-Being-Armee finanziert, müssen die sechs anderen sterben, und wir bekommen beinahe Angst um Steed.

Cowgirl und Henker treffen sich an einem Fangnetz mit zwei Speeren darin, und diesmal sind es wirklich Speere, ganz ehrlich. Steed kehrt zurück an die Stelle, an der er Pickelhaube tot aufgefunden hat, doch nun isser weg. Cowgirl und Henker kehren mit Netz und Speer zurück ins Haus – mal wieder, Schnitt! auf Steed, der Cowgirl schreien hört, Schnitt! auf sie, wie sie schreit, Schnitt! auf Steed, der zurück zum Haus läuft, merkwürdig lächelnd eintritt – und im Netz gefangen wird. Das war eine Falle! Und der Cutter war eingeweiht!

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Steed wird zu den Särgen geschleppt, in dem jetzt auch Janus liegt, und in dem ein Speer steckt. Sollte es an dieser Stelle noch aufmerksame Zuschauer geben, wird ihnen auffallen, daß wir gar nicht gesehen haben, wie Janus angegriffen wurde, weder von der Kamera, noch von einem Schatten, wir haben ihn gar nicht schreien gehört und deshalb sind die anderen auch nicht noch einmal wie aufgescheuchte Hühner zwischen Haus und Wald hin und her gelaufen.

So wie er da im Netz steckt ist Steeds Frisur hinüber, die fesseln ihn sogar noch weiter, da hört man ein Flugzeug über die Insel fliegen. Sie nehmen ihm sein Schwert weg, damit er sich damit nicht befreien kann, und werfen es irgendwo hin, aber Steed braucht nicht danach zu suchen, weil auf dem Tisch noch genügend Messer herumliegen, und mit einem schneidet er sich los, während Cowgirl Äste sammelt und Henker Treibstoff aus dem Flugzeug holen will; ein Signalfeuer soll sie retten. Henker wird von zwei Händen erdrosselt, und Cowgirl findet ihn.

Endlich befreit hat sich Steeds Frisur ein wenig erholt, er betrachtet nachdenklich die vier Toten, wendet sich ab, und schon steht der gar nicht so tote Janus auf. Als Steed ihn sieht, ist er erschrockener als jeder Zuschauer, doch er schaltet schnell, stellt fest, daß Janus bei ihm war, als Pickelhaube geschriehen hat und erstochen wurde. Janos sagt dazu nichts, aber er besteht darauf, daß er der Mörder ist und erklärt auch gleich, warum er Steed nicht getötet hat, als dieser noch im Netz gefangen war: Das wäre sehr unsportlich gewesen, findet er, und so stopft man eben in Großbritannien plot holes.

Steed soll sich entscheiden, wie er sterben möchte, doch dieser schlägt mit einem Kerzenständer zu, und so beginnt der zweite große Kampf zwischen zwei Laien-Stuntmen, von denen keiner wie Patrick Macnee aussieht. Am Ende bekommt Janus einen Speer in die Brust, diesmal in echt, denn es war ja Steed, der geworfen hat. Dennoch ist McDonald sicher, daß dieser noch einmal wiederkehren wird, und so wundern wir uns, ob es wohl speersichere Westen gibt.

Ins Haus zurückgekehrt, ja, der Kampf endete draußen, richtet Cowgirl ihre Waffe auf Steed, es gibt einige Verwirrung, wer nun tot ist oder nicht und warum. Er will ihr die Leiche von Janus zeigen, doch sie ist schon weg. Sie schlägt ihn mit ihrer Waffe bewußtlos, und es dauert geschlagene 6 Sekunden, bevor Steed in Zeitlupe zu Boden geht. Das Laub raschelt, der unheimliche Vogel ruft, und draußen scheppert etwas, weswegen Cowgirl natürlich wieder hinausläuft. Erneut gibt sie zwei Schüsse ab, und diesmal scheint sie den Kameramann nur knapp zu verfehlen. Während sie ins Dunkel des wohlbeleuchteten Waldes starrt, kommt eine Hand von hinten und zieht sie nach unten.

Steed kommt zu sich, taumelt herum, und fällt erneut nieder.

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Cowgirl hat mehr Glück: Die Person, auf die sie gestoßen ist, erweist sich als Emma Peel in einem ekeligorangefarbenen engen Trainingsanzug („Emmapeeler“ genannt) mit dunkelblauen Längststreifen. Mann, manchmal bekommt man die 60er aber auch wirklich um die Ohren geschlagen! Mrs. Peel erklärt, daß sie sofort wußten, daß die Einladung eine Fälschung war, sie in einem anderen Flugzeug hinterher geflogen ist, und als sie die Insel sah, absprang. Das ist also mal wieder eine dieser Episoden, die nicht ganz ehrlich mit den Zuschauern sind, ihnen etwas vorenthalten oder gar vorlügen, denn als wir die beiden über die Einladung haben sprechen sehen, wurde davon so gar nichts gesagt. Nun ist sie also da, die gute Mrs. Peel, dann wird es auch nicht mehr lange dauern, bis sie ihr Karate zum besten gibt.

Zurück im Haus, in dem das Laub raschelt und Janus tatsächlich wieder von den Toten auferstanden zu sein scheint. Er schleicht herum, während Steed noch immer bewußtlos im Laube liegt. Gerade als Cowgirl und Mrs. Peel das Zimmer betreten wollen, in dem Steed liegt, wird Cowgirl von Janus mit einer Tür bewußtlos geschlagen. McDonalds „Super Beings“ sind aber auch einfallsreich! Nun will er Steed erschießen, aber „M-Appeal“ tritt in Aktion! Sie rennt auf ihn zu – und springt ihm auf den Rücken, drückt ihn nieder. Nun folgt eine dritte Kampfszene, die rein gar nichts mit Karate zu tun hat, und bei der die Laien-Stuntfrau offensichtlich beinahe auf dem raschelnden Laub ausgerutscht und auf die Nase gefallen wäre. Die eigentlichen Kampfbewegungen werden recht langsam ausgeführt, damit man sich ja nicht verletzt, und alles kommt einem wie spielende Kinder vor.

Steed kommt wieder zu sich, und der Kampf endet draußen, wo wir Zuschauer es nicht sehen können. Mrs. Peel gewinnt allerdings wenig überraschend, und demonstriert, daß draußen nicht nur der Janus liegt, den sie erledigt hat, sondern, unter all dem Heu auf dem Boden, ein zweiter, ein Zwilling.

Schurkengestalt merkt, daß McDonald ihn hereinlegen wollte, und ist sehr unzufrieden, woraufhin McDonald ihn mit fünf Schüssen erschießt. Das haben auch unsere Helden gehört, und während sie auf der Suche nach dem Ursprung des Nils … äh … der Schüsse sind, macht McDonald, was er nun gar nicht tun sollte, er klettert aus dem Kamin, offenbar der Zugang zu seinen geheimen Räumen, und gerade, als er Mrs. Peel erschießen will, kommt Cowgirl wieder zu sich und schießt ihm die Waffe aus der Hand. Er geht zu dem Tisch, auf dem noch immer einige Waffen liegen, und will schneller eine Waffe aufnehmen und abfeuern als Cowgirl, die ihre Waffe bereits auf ihn gerichtet hat. Super Plan, McDonald. Er zieht’s aber durch, und Cowgirl schießt ihm die Waffe erneut aus der Hand, ungeachtet der Tatsache, daß Steed und Mrs. Peel hinter McDonald in der Schußlinie stehen und keine Anstalten machen, sich von dort wegzubewegen.

Dieser Plan war nun mal von Anfang an nicht ganz so toll, also probiert McDonald es gleich nochmal mit der nächsten Pistole. Wieder schießt sie ihm das Teil aus der Hand, und diesmal nuckelt McD an seinem Mittelfinger. Aber lernt er dazu? Nein, er nähert sich der nächsten Pistole. Und – ja – wieder schießt sie ihm das Teil aus der Hand. Meine Güte, ist das mühsam heute.

Bei soviel Einfallsreichtum kann man sich denken, wie es weitergeht. McD hat noch eine Waffe übrig. Wieder nähert er sich dieser, aber plötzlich kommt Leben in die Situation: Steed schleicht zu einem weiteren Kerzenständer, und kurz nachdem Cowgirl McD auch die letzte Waffe aus der Hand geschossen hat, schlägt Steed ihn bewußtlos. Recht langsam übrigens, es soll ja nicht wehtun.

Das wäre geschafft. Steed und Mrs. Peel beginnen die vielen Kerzen auszupusten, die ansonsten das Laub im Haus oder das Heu im Wald entzünden könnten, und mit der letzten Kerze wird abgeblendet.

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Oh, richtig, es kommt ja noch eine lustige Szene zum Schluß. Seufz. Es ist Tag, Mrs. Peel jagt irgendwo, es ist nicht ganz klar, ob das nur einige Bäume sind oder schon ein Wald sein soll, auf jeden Fall liegt eine Menge Heu auf dem Studioboden, und wenn sie gleich läuft, wirft sie vier (schwache) Schatten gleichzeitig. Wie schon Steed am Anfang dieser Episode schießt sie, etwas fällt zu Boden, und nachdem sie ganze vier Schritte gelaufen ist, sieht sie, um was es sich handelt: mehrere Stoffteddys. Sie ruft Steed, Steed kommt hinter einem Baum hervor, hat ‘ne Pulle Alk dabei, sie schießt sie auf und dazu noch zwei Gläser vom Himmel, die die beiden auffangen. Er schenkt ein, sie prosten sich zu, beginnen zu trinken, und mir ist jetzt auch danach. Episode aus.

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