"I Am Legend"
Verfasst von Tom am 13 Januar 2008
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Drehbuch: Mark Protosevich, Akiva Goldsman
Regie: Francis Lawrence
Kurz & knapp:
„Cast Away“ in Manhattan + Monster
Note: 2-
Neville: „What the hell are you doing out here Fred?! How did you get out here?! Fred, if you’re real, you better tell me right now!“
Ein wenig fühlte ich mich bei bestimmten Szenen an „I, Robot“ erinnert: Will Smith kämpft allein gegen eine Vielzahl von bösartigen, sehr ähnlich aussehenden Wesen, die eindeutig computeranimiert waren. Zum Glück hat sein neuer Film aber mehr zu bieten als dies und das zusätzliche Verb im Titel.
Es gibt Anblicke, die unheimlich wirken, weil man das Gefühl hat, daß sie einfach nicht sein sollten. Filmemacher versuchen schon seit jeher, solche Momente zu erschaffen, und manchmal gelingt es ihnen so gut, daß diese eine Szene es ist, an die man sich später am besten erinnern kann, wenn man an einen Film denkt. Mich hat in „Vanilla Sky“ der menschenleere Times Square beeindruckt, 2002 das leere London in Danny Boyles „28 Days Later“ noch mehr, und davor 1995 die menschenleeren Straßen Philadelphias in „12 Monkeys“. Orte, die normalerweise nur so von Menschen wimmeln, können nicht plötzlich völlig verlassen sein, ohne daß etwas ganz und gar nicht stimmt.
Wenn nun ein Roman vom letzten Mensch auf der Welt handelt, ist es ein gefundenes Fressen für eine Filmversion, dies so drastisch wie möglich in Szene zu setzen, und schon die 1971er Version von „I Am Legend“ mit Charlton Heston hat solche Szenen beinhaltet. Wenn jedoch 30 Jahre später ein Remake gemacht wird, dann reicht es nicht, solche Szenen ähnlich gut zu präsentieren, und dabei hat man es in der aktuellen Version auch nicht gelassen.
Die Szenen vom ausgestorbenen Manhattan mit Mengen verlassener Autos, in dem sich langsam die Pflanzen wieder ausbreiten und auch einige Wildtierarten wieder heimisch geworden sind, dominieren ungefähr das erste Drittel des Films, in dem gezeigt wird, wie ein einsamer Will Smith mit seiner Hündin Sam auf die Jagd geht, sich mit lebensnotwendigen Dingen versorgt und sich auch mal kurz mit aufgestellten Schaufensterpuppen zu unterhalten versucht.
Aber noch während man sich an der ungewohnten Optik dieses New Yorks nicht satt gesehen hat, wird deutlich, daß sich mehr dort verbirgt, daß der Protagonist Robert Neville trotz seiner gut gesicherten Wohnung und seinem ansehnlichem Waffenarsenal große Angst vor dem hat, was nicht zu sehen ist, was sind tagsüber in den Ruinen der ehemaligen Weltmetropole verbirgt.
Es spricht für Will Smith (oder für den Regisseur, der ihm dies abverlangt hat), daß er diesmal tiefere Emotionen spielt, als in seinen meisten Filmen, er diesmal wirklich durch und durch ernst bleiben und auch Angst zeigen darf, besonders in der Szene, als Sam in einem der vielen düsteren Ruinen verschwindet und er ihr in Panik folgt, vor lauter Angst aber kaum folgen kann, es aber dennoch tut, weil er die Gefahr für Sam dort kennt oder zumindest ahnt, und Sam alles ist, was er von seiner Familie noch hat, Sam alles ist, was ihm überhaupt an Gesellschaft in dieser Welt noch geblieben ist, Schaufensterpuppen nicht mitgerechnet.
Der sonst oft auf selbstsichere und leicht arrogante Actionhelden geeichte Schauspieler darf diesmal nach und nach durchblicken lassen, daß Golfspielen, DVDs und alte Fernsehaufzeichnungen anschauen nur oberflächlich eine Art Alltag ersetzen, es tief ihn ihm aber schon zu größeren Schäden gekommen ist. Woher diese unter anderem stammen zeigt auch eine Reihe von Rückblenden zum Zeitpunkt des Ausbruchs der Epidemie, die hauptsächlich ihn und seine Familie zeigen.
Es gibt eine wichtige Szene in diesem Film, die ihn – meiner Meinung nach – in zwei Teile trennt. Sie beginnt, als er plötzlich eine seiner Schaufensterpuppen an einer falschen Stelle stehen sieht, und er mit einem Schlag wieder die Fassade der Normalität verliert und seine psychischen Schäden deutlich werden: Er ruft der Puppe etwas zu, als erwarte er diesmal wirklich eine Antwort, spielt mit der Idee, es könne ja doch ein Mensch sein, weiß sich nicht anders zu helfen, als auf sie zu schießen, fühlt sich plötzlich beobachtet und schießt wahllos auf die ihn umgebenden Hochhäuser. Es ist zwar wirklich nur eine Puppe, aber sie wurde dorthin gestellt, um ihn in eine Falle zu locken, und hiermit beginnt für mich der zweite Teil des Films, in dem er zwei weitere Menschen kennenlernt, und nach wenigen Szenen mit den Neuankömmlingen wird der bisher psychologisch angehauchte Gruselfilm zu einer Mischung aus Zombiehorror und eben Kampfszenen wie in „I, Robot“.
Die Falle, in die er tappt, zeigt, daß Neville sich über die Geistesleistungen der Vampirzombies irrt; sie sind eben nicht völlig entmenschlicht, wie er sich einredet, sie planen, kommunizieren und haben auch einen Anführer. Leider wirken sie hin und wieder wie Computereffekte, die sie ja oft auch sind, und auch den Rehen zu Beginn des Films sieht man ihre Herkunft zu deutlich an. Heutzutage sollte man das bei einem Budget von 150 Millionen Dollar besser machen können.
Was der kleine Junge (einer der beiden Neuankömmlinge) in der Handlung zu suchen hat, erschließt sich mir nicht. Er hat kaum etwas getan und rein gar nichts gesagt, daher hätte er ersatzlos gestrichen werden können.
Das Ende des Films wirkt ein wenig wie die ursprüngliche Kinofassung von „Blade Runner“, und hinterläßt den Eindruck, daß man nur die Stadt verlassen muß, und alles wird gut. Das düstere Ende des Romans und der Verfilmung von 1971 wären konsequenter gewesen, und besonders die Erkenntnis des Protagonisten, daß er von den Wesen als Monster angesehen wird, weil er seit Jahren Jagd auf sie macht, vermisse ich hier leider, aber zumindest ist es nicht ganz so kitschig, wie es hätte sein können.


Max sagte
weder wusste ich, dass es eine 71-version des filmes gibt, noch dass das richtige ende wieder einmal von hollywood gekillt wurde.
interessant ist es und schlüssig wärs gewesen.
nicht dass uns die geschichte von bob marley nicht gefallen hätte…
für mich ist I Am Legend ein film, der mich anfangs wie kein anderer beeindruckt und am ende zutiefst enttäuscht hat.
grundsätzlich bin ich nicht leicht zu enttäuschen, wenn ich mich erst einmal mit einem film verbunden fühle – was ja eindeutig der fall war – aber dieses ende war kaum zu unterbieten.
die frage nach der sozialen kompetenz eines menschen wird hier deutlich gestellt und meiner meinung nach gilt es hier zu erkennen wie wichtig unsere mitmenschen wirklich für uns sind.
meine kritik an Tom: woher solltest du den wortlaut eines englischen zitats kennen… tja.
Tom sagte
> nicht dass uns die geschichte von bob marley nicht gefallen hätte…
Ja, das war ein nettes Detail.
> grundsätzlich bin ich nicht leicht zu enttäuschen, wenn ich mich erst einmal mit einem film verbunden fühle – was ja eindeutig der fall war – aber dieses ende war kaum zu unterbieten.
Ganz so schlimm finde ich es nicht. Aber in Hollywood hat man einfach nicht mehr den Mut, die Menschheit (im Film) aussterben zu lassen.
> die frage nach der sozialen kompetenz eines menschen wird hier deutlich gestellt und meiner meinung nach gilt es hier zu erkennen wie wichtig unsere mitmenschen wirklich für uns sind.
Ja, es wird ja auch sehr deutlich gemacht, daß der Protagonist nach (nur ) 3 Jahren schon ziemlich durch den Wind ist. Seine „Interaktion“ mit den Schaufensterpuppen wirkt erst einmal lustig, zeigt aber letztlich, wie vereinsamt er wirklich ist. „So tun als ob“ ist halt besser als nichts …
> meine kritik an Tom: woher solltest du den wortlaut eines englischen zitats kennen… tja.
Mal abgesehen davon, daß mein Programmkino um die Ecke hin und wieder auch aktuelle Filme im Originalton zeigt, ich ein gutes Gedächtnis für Dialoge und Monologe habe, weil ich auch selbst schreibe und durchaus gesteigertes Interesse an solchen Zeilen habe …
… präsentiere ich hiermit: IMDB und Wikiquote …
http://us.imdb.com/title/tt0480249/quotes
http://en.wikiquote.org/wiki/I_Am_Legend