„The Brave One“
Verfasst von Tom am 31 Dezember 2007
Drehbuch: Roderick Taylor, Bruce A. Taylor, Cynthia Mort
Regie: Neil Jordan
Kurz & knapp:
Psychologischer Thriller über ein Opfer, das zum Täter wird
Note: 2
Erica: „I always believed that fear belonged to other people. Weaker people. It never touched me. And then it did. And when it touches you, you know… that it’s been there all along. Waiting beneath the surfaces of everything you loved.“
Nach einem Überfall, bei dem sie schwer verletzt und ihr Verlobter getötet worden ist, besorgt sich die Radiomoderatorin Erica Bain eine Schußwaffe, weil sie sich kaum noch traut, aus dem Haus zu gehen. Ihre Vorstellung von einem sicheren Leben in der Großstadt ist erschüttert, und das offenbar zurecht, denn kurze Zeit später wird sie Zeuge eines Überfalls auf ein Geschäft, in dem sie sich befindet, und um ihr Leben zu retten, erschießt sie den Täter.
In den Augen wohl eines jeden Menschen war dies Notwehr, obwohl es verdächtig erscheint, daß sie die Kassette der Überwachungskamera mitgehen läßt. Bei einem weiteren Zwischenfall, diesmal in der U-Bahn, nimmt sie nicht wie die anderen Leute die Möglichkeit wahr, den Zug zu verlassen, sondern bleibt ruhig sitzen. Als sie dann tatsächlich bedroht wird, erschießt sie auch diese beiden Täter. War auch dies noch Notwehr? Es gibt in Deutschland den Grundsatz, daß das Recht dem Unrecht nicht zu weichen hat, und doch bekommt der Zuschauer bereits ein wenig das Gefühl, daß sie sich den Ausgang des Geschehens herbeigewünscht hat, sie hat nicht mit der Waffe gedroht, sie hat einfach geschossen.
Ihre psychische Verwandlung von Opfer zu Rächer hat begonnen, und immer deutlicher wird, daß sie Situationen sucht, um von ihrer Waffe Gebrauch machen zu können. Letztlich sucht sie sich sogar ihr Opfer aus, tötet jemanden, der ihr sonst vermutlich nie begegnet wäre. Diese zielgerichtete Selbstjustiz zeigt, daß sie die Grenze zwischen Opfer und Täter weit überschritten hat.
Eine interessante Rolle kommt dem Polizisten zu, der sie zwar bald durchschaut hat, aber auch Verständnis für sie aufbringt und sogar Zuneigung zu ihr empfindet. Statt lediglich Jäger und Gejagte zu sein entwickelt sich zwischen ihnen eine leichte Romanze, was dem Film eine weitere Ebene verschafft. Leider wirkt das Ende dann aber so, als habe das Studio zu Nachdrehs gerufen, um ein happy ending zu schaffen, das recht unerwartet kommt, unglaubwürdig wirkt, dem Film insgesamt aber nicht sehr schadet.

