
Drehbuch: Joe Pokaski
Regie: Greg Yaitanes
Noah Bennet: “You touch my daughter, and I kill yours. And then I kill you.”
Auch diese Episode von “Heroes” erzählt die Geschichten von einigen Charakteren weiter, während andere völlig ignoriert werden. Zwar werden einige Fans es nicht gerne sehen, daß ihre Lieblinge gleiche mehrere Episoden hintereinander nicht zu sehen sind (wie z. B. Sylar), aber diese Methode ermöglicht es den Autoren, ihre Geschichten runder erscheinen zu lassen.
Die Geschichte, die mich diesmal am wenigsten beeindruckt hat, war die von Hiro, der eine Woche in die Vergangen reist, um seinen Vater zu retten, dies dann aber von ihm ausgeredet bekommt. Obwohl es nett war, den kleinen Hiro auf der Beerdigung seiner Mutter mit dem erwachsenen Hiro sprechen zu sehen, fand ich die Erklärung, man dürfe nicht Gott spielen, auch wenn man es kann, nur schwer nachvollziehbar. Eine ganz ähnliche Situation in der ersten Season, als Hiro Charlie retten wollte und es nicht konnte, fand ich besser gelöst, als diesmal. Was, wenn sein Vater durch irgendeinen Zufall in der Lage hätte kommen können, das Shanti-Virus aufzuhalten, und dies jetzt nicht mehr kann, wird Hiro seine Meinung dann wieder ändern und seinen Vater doch noch retten, oder sieht er lieber zu, wie fast die ganze Menschheit ausgelöscht wird?
Hiros Geschichte endete diesmal damit, daß er nun weiß, wer seinen Vater vom Dach gestürzt hat, und aufgezogen war dieser Moment recht groß, dabei hat man spätestens seit “Four Months Ago …” ahnen müssen, wen wir da als Kaputzenmann sehen werden.
Wesentlich besser gefiel mir die Geschichte, die ich “Väter, Töchter und Mohinder” nennen möchte. Ich hatte schon vor einiger Zeit gelesen, daß Elle als eine Art Anti-Claire gedacht war, und nun wurde deutlich, daß Bob eine Art Anti-Bennet ist. Er hat seine Tochter rigoros der Company-Forschung ausgesetzt, und letztlich lediglich ihre Erinnerungen daran löschen lassen. Das erklärt ein wenig ihre Verhaltensweise, diese unheimliche Mischung aus Kind und erwachsenen Frau, die deutliche sadistische Züge hat und auch problemlos über Leichen geht.
Jetzt erst kann man wirklich ahnen, wie gut Claire es im Gegensatz zur ihr hatte, weil Noah auf sie aufgepaßt hat, seine extreme Vorsicht und sein Verhalten innerhalb der ersten Season wird durch das Negativbeispiel Elle noch deutlicher, als es bisher schon war. Und noch immer versucht er alles, um Claire-Bear zu schützen und die Company zu stürzen. Die Übergabe der Töchter hat die Dichotomie der beiden Vater-Tochter-Paare schon fast überzeichnet, aber das ist ja durchaus nicht untypisch für das Comicgenre.
Es war auch schön zu sehen, daß Noah und West gut zusammenarbeiten können, Elle mit Wasser unter Kontrolle gehalten werden kann, und die Art, wie Noah fast augenblicklich wußte, daß Mohinder ihn über den Aufenthaltsort von West anlügt. Leider gab es auch in dieser Geschichte ein wenig zu meckern, denn diese Episode tat leider so gar nichts dafür, Mohinders Tat zu erklären. Kurz zuvor war er noch entschieden dagegen, daß Noah erschossen werden sollte, nun drückt er selbst ab, um Bob zu retten. Es mag sein, daß wir in einer der nächsten Episoden eine Erklärung für dieses untypische Verhalten bekommen werden (z.B. könnte er ihn lediglich anschießen wollen, und hat dann unglücklicherweise den Kopf getroffen), aber bis dahin sitzen die Zuschauer schulternzuckend vor dem Fernseher.
Es war nicht wirklich eine Überraschung, daß Noah dann durch Claires Blut wiederbelebt werden konnte, denn zu zentral ist dieser Charakter in der Serie platziert, um herausgeschrieben werden zu können, ohne der Serie zu schaden. Mich interessiert aber, wer ihm das Blut verabreicht hat, denn es sieht so aus, als käme er in einem Raum der Company wieder zu sich. Bob wollte ihn tot haben, und Elle kommt wohl auch nicht in Frage. Mohinder vielleicht? War das vielleicht sogar sein Plan? Gewagter Plan, würde ich sagen, sehr gewagt sogar.
Auch wenn ich in dieser Season schon einiges falsch “vorhergesagt” habe, wage ich es ein weiteres Mal: Ich vermute, daß Noah von jetzt an in irgendeiner Weise verändert sein wird. Das gibt den Autoren die Möglichkeit, seinen Charakter in eine leicht (oder auch drastisch) andere Richtung zu entwickeln. Das könnte durchaus interessant sein, aber leider traue ich den Ideen der Autoren nicht mehr so sehr, wie in der ersten Season.
Am besten gefallen hat mir die kürzeste Geschichte um Matt Parkman, der sich so langsam der dunklen Seite der Macht zu nähern scheint. Schon am Anfang der Season haben wir nebenbei erfahren, daß er bei der Prüfung zum Detective durch Gedankenlesen geschummelt hat, aber diesmal geht er viel weiter. Er entdeckt, daß er Gedanken erzeugen kann, daß er Menschen Tätigkeiten ausüben lassen kann, und Angela Petrelli zwingt er dazu, die Wahrheit zu sagen. Zu sehen, wie sie sich dagegen zu wehren versucht und es letztlich nicht schafft, war für mich der einzige Gänsehautmoment in dieser Episode, und zum Schluß wurde dann ja auch gezeigt, daß er den letzten Namen von ihr wirklich erfahren hat. Im Namen des Guten etwas Böses tun – so ging es wohl auch den 12 damals. Erschreckend, sich vorzustellen, Matt würde wirklich immer mehr zu seinem eigenen Vater werden.
Insgesamt wieder eine gute Episode, würde ich sagen, aber auch nicht mehr.
Note: 2–