LOST, 3-18, „D.O.C.“
Verfasst von Tom am 30 April 2007

Drehbuch: Adam Horowitz, Edward Kitsis
Regie: Frederick E.O. Toye
Sun: „I lose either way. If I’m going to live … that means the baby’s not Jin’s.“
Man könnte fast glauben, die Losties haben mit einer alten Gewohnheit gebrochen, und erzählen sich jetzt einander, was sie erlebt und in Erfahrung gebracht haben! Kate erzählt Sun, was sie über Juliet weiß, Hurley weiß von Mikhail, dem „electro-fence thingy“, und daß Locke dessen Station in die Luft gesprengt hat, und Claire und Kate haben Sun von dem medizinischen Hatch erzählt.
In Suns Backstory sehen wir, was Sun bereit ist zu tun, um ihren geliebten Jin vor Scham und Schande zu bewahren. Sie geht nicht nur einen Deal mit ihrem Vater ein, sondern äußert Jins Mutter gegenüber am Ende quasi eine Morddrohung. Aber nicht nur seine Mutter lernt sie kennen, sondern auch den sehr liebenswerten Vater, der Jin allein aufgezogen hat.
Auch wenn Sun von Juliet erfahren hat, daß schwangere Frauen auf der Insel normalerweise sterben, würde sie ihr mitten in der Nacht in den Dschungel folgen, ohne weitere Fragen zu stellen? Eine Frage könnte sein, warum das ein Geheimnis sein muß, und eine andere, warum nicht wenigstens Kate mitkommen kann. So wie wir Juliet kennen, hätte sie vermutlich wieder recht einleuchtende Erklärungen parat, aber daß Sun ihr so einfach folgt, finde ich nicht völlig glaubwürdig, denn aus ihrer Perspektive ist Juliet ein Other und erst vor Stunden im Camp eingetroffen.
Per Ultraschall kann Juliet dann das Alter des Fötus bestimmen, und es wird wohl eher wenige Zuschauer überrascht haben, daß tatsächlich Jin der Vater ist – zum einen ist das die „spannendere“ Version, zum anderen ist noch extra betont worden, daß Männer auf der Insel um den Faktor 5 fruchtbarer sind als normal.
Suns Todesurteil scheint zwar damit besiegelt zu sein, aber die zwei Monate, die sie noch hat, entsprechen ja bei dem Tempo, daß die Serie zur Zeit hat, immerhin zwei ganze Seasons, so daß die Autoren noch viel Zeit haben, sich etwas auszudenken.
Was war das für ein Gesichtsausdruck von Sun, als Juliet noch einmal in den Bunker wollte? Hat sie geahnt, daß Juliet etwas vorhat, und ist sie ihr gefolgt? Uns Zuschauern war doch recht klar, daß Juliet noch etwas zu erledigen hatte, und tatsächlich hat sie ja für Ben eine Nachricht hinterlassen, die sehr interessant ist: Auch die anderen Frauen – insbesondere Kate – sollen noch untersucht werden. Hat Ben Kate und Sawyer nur im Eisbärenkäfig beobachtet und reagiert nun darauf, oder war das wirklich von Anfang an geplant?
Die zweite Inselhandlung dreht sich weiter um Naomi, deren Name noch immer nicht bekannt ist. Mikhail hat überlebt und stabilisiert ihren Zustand; angeblich sei sie wieder in einem bis anderthalb Tage in Ordnung. Er erklärt das mit der Wirkung der Insel, aber ob es ihr dann wirklich wieder so gut geht, bleibt abzuwarten, da möchte ich eine zweite Meinung von Jack einholen. Die selektive Heilungswirkung der Insel scheint Mikhail ja geholfen zu haben, aber Boone, Shannon, Ana Lucia, Libby und einige andere waren da weniger glücklich. Oder wären sie auch wieder zu sich gekommen, wenn … nun, wenn man sie nicht begraben hätte? Leben Mrs. Klugh und Danny etwa noch? Zumindest Goodwin hat man nicht begraben, und er scheint sich nicht erholt zu haben. Soviel zu dieser Theorie. Vermutlich.
Naomi ist in bester LOST-Manier noch nicht in der Lage, viel zu erzählen, aber sie kann immerhin verschiedene Sprachen:
– Zuerst sagt sie „Me estoy muriendo“, was spanisch für „Ich sterbe“ ist
– Dann sagt sie „Hilfe, ich sterbe“ auf italienisch: „Aiutame sto morendo“
– Zuletzt sagt sie auf portugiesisch „Eu não estou só“: „Ich bin nicht allein.“ Zumindest diesen Teil hat Mikhail – wohl absichtlich – nicht richtig übersetzt.
Eine Information hat sie letztlich doch noch beizusteuern, denn sie ist der Meinung, daß die Wrackteile von Flug 815 gefunden worden sind, und niemand überlebt hat. Das ist durchaus die größte Überraschung dieser Episode, denn jeder Flugzeugabsturz wird enorm akribisch untersucht, jedes Wrackteil wird unter die Lupe genommen, der Ablauf genau ermittelt, und jedes Leichenteil per DNA-Analyse einem Passagier oder Besatzungsmitglied zugeordnet, so daß man ganz genau sagen kann, ob man alle Leichen gefunden hat, oder nicht.
Mal alle übernatürlichen Erklärungsversuche beiseite gelassen: Es ist schwer zu glauben, daß ein solcher Absturz gefälscht werden kann. Klar, mit Zuckerbrot und Peitsche, also Bestechung und Nötigung, kann man viel erreichen, aber alle verantwortlichen Personen bei der NTSB (oder dem australischen Pendent) auf diese Weise zu beeinflussen, dürfte enorme Geldmittel und Macht nötig machen. Wer käme in Frage? Charles Widmore? Der mysteriöse „Jacob“?
Note: 2

bullion sagte
…oder aber Suns Vater ist mit in die Sache verstrickt. Scheint ja auch ein sehr mächtiger Mann zu sein.
Die Zwischenhölle-Variante (Losties sind tot) wurde ja schon zu Beginn der ersten Staffel dementiert. Folglich muss es eine große Vertuschungsaktion geben. Oder einen Dimensionssprung. Oder eine Zeitreise. Oder beides. Man darf gespannt sein, wie es weitergeht!
Tom sagte
Stimmt, Suns Vater hatte ich dahingehend noch gar nicht auf dem Plan. Aber Mafiamethoden stelle ich mir auch irgendwie direkter und weniger mysteriös vor. Warten wir es ab; kann ja nur eine Frage von ein bis zwei Staffeln sein.