
Regie: Clyde Phillips
Drehbuch: Michael Cuesta
Dexter: „I can kill a man, dismember his body, and be home in time for ‘Letterman’. But knowing what to say when my girlfriend’s feeling insecure … I’m totally lost.“
Während die Pilotepisode nur kurz den Schriftzug „Dexter“ einblendete und dann sofort in media res ging, bekommen wir nun erstmals den Vorspann der Serie zu sehen, und er ist schlicht genial. Gezeigt werden lauter morgendliche Rituale wie Rasieren, Frühstücken, Zahnpflege, aber die Nahaufnahmen und das Wissen darum, daß es sich um einen Serienmörder handelt, läßt die Fantasie in Richtung weniger alltägliche und banale Handlungen abwandern. Noch nie sah Frühstücken so brutal aus, und natürlich muß es eine Blutorange sein.
Ich bekomme leichte Bedenken, daß es in dieser Serie in jeder Episode ein „victim of the week“ geben könnte; diesmal ist es ein notorischer Trunkenheitsfahrer, der schon mehrere Menschenleben auf dem Gewissen hat und dennoch nicht verurteilt wird. Ich möchte nicht, daß sich die Serie zu sehr auf diese Morde von Dexter konzentriert, ganz so, als sei er der einsame Rächer, denn Selbstjustiz ist weder attraktiv von allzu interessant. Dexters Morde sind der Versuch, mit dem düsteren Verlangen in ihm umzugehen, und dabei zumindest ein Minimum an Menschlichkeit zu beweisen. Das immer wieder mal zu zeigen ist nötig, aber bitte nicht in jeder Episode.
Es ist durchaus unheimlich zu sehen, wie er im Gericht nach einem neuen Opfer Ausschau hält. Als Zuschauer verfolgt er die Verhandlung des Trunkenheitsfahrers, und während dieser allen Anwesenden mit seiner Art Mitleid abringt, stößt er, ohne es zu wissen, bei Dexter auf taube Ohren; Soziopathen kennen kein Mitleid. Dexter geht nicht nach dem Gefühl, sondern er sucht in den Polizeidaten anderer Bundesstaaten nach Fakten und wird fündig.
Seine Schwester schätze ich mittlerweile als etwas unsicher und sehr gefühlsbetont ein, also quasi das Gegenteil von ihm. Sie hat es bisher nicht leicht gehabt, im Job voran zu kommen, und ihre Männerbekanntschaften gehen selten, gingen vielleicht nie über kurze Beziehungen hinaus.
Sein Kollege Angel scheint ihn zu schätzen, während sein Vorgesetzter Sergeant Doakes spürt, daß mit Dexter etwas nicht stimmt, daß er unheimlich ist, und das betrifft nicht nur sein Gespür, wenn es um Blutspuren geht.
In dieser Episode hat mich der Fall Carlos Guerrero etwas gelangweilt, denn hier scheint es um normale Polizeiarbeit zu gehen, bei der Dexter nur am Rande involviert ist, während es bei dem Trunkenheitsfahrer und dem immer wieder erwähnten „Ice Truck Killer“ direkt um Dexter geht. Ich vermute, daß letztgenannter den Handlungsbogen dieser Staffel bildet, denn seine Spielchen mit Dexter werden einen tieferen Sinn haben.
Eine negative Beobachtung: Ich glaube nicht, daß man einen technischen Berater am Set hat, denn die Art und Weise, wie die Darsteller am Tatort und auch im Hauptquartier agieren kommt mir manchmal etwas künstlich vor, das gipfelte in dieser Episode darin, daß Angel in einer der Blutspuren auf dem Teppich kniete; selbst wenn schon alle Spuren gesichert waren – macht er sich nicht wenigstens Sorgen um seine Hose?
Note: 2–


